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Routeninfo Frankreich
Via Podiensis für Einsteiger
Französischer Jakobsweg von Conques nach Moissac
 
Impression
 
 
  Via Podiensis / Teilabschnitt: detaillierte Beschreibung
Impressionen
 
 
  8. Tag: La Roziere (Cahors) - Durfort
13 km/W + 26 km/R = 39 km
Um die Randbereiche von Cahors zu umgehen, starten Sie Ihre Wanderung hinter dem Vorort La Roziere. Die hohe Lage und die ländliche Ruhe dieses Ortes haben manch wohlhabenden Bürger veranlasst, sich hier niederzulassen. Prachtvillen hinter wuchtigen Steinmauern werden von aufmerksamen Wachhunden bewacht und lautstark angekündigt. Der Pilgerweg umgeht diesen Ort und führt auf kurzer Strecke hinab zur Landstraße in Richtung Labastide-Marnhac. Hier starten Sie Ihre Wanderung.
Den seitlich entlang führenden Kalkschotterweg säumt lockerer Baumbestand hübscher Flaumeichen, sie liefern den nötigen Halbschatten für die ersten anstrengenden Minuten dieses durchweg ansteigenden Weges. Die kargen Böden der Causse-Hochebene lassen diese Eichen nur langsam wachsen, so dass man sehr lichte und nur niedrige Wälder antrifft. Eine sichere Trittspur hat sich im Laufe der Zeit gebildet, sie erleichtert das Laufen im unebenen und hell blendenden Geröll. Mit ausbleibender Beschattung werden die Fernsichten nach Osten und Westen immer weiter.
Manchem werden die neugierigen Gesichter frisch angereister Pilger auffallen, denn ab Cahors beginnt für die Etappenwanderer oft ein neuer Abschnitt, ähnlich wie schon in Conques. Zunächst versucht man, von weitem den spezifischen Gang oder die Ausrüstung bekannter Wegbegleiter wieder zu erkennen. Später erzählt man gerne über ihre Erlebnisse der Vorjahre und rechnet aus, in welchem Jahr schließlich Santiago erreichen wird.
Fröhliche Kinderstimmen kündigen den nahen Ort Labastide an, der Pilgerweg führt an einer Schule vorbei. Am Ortsende bietet sich an der Mairie eine schöne Gelegenheit zum Rasten.
Weiter geht es auf die Fahrradstrecke, sie führt zunächst über die Hochfläche nach Lascabanes. Zwischen leichten Hügeln verbergen sich vereinzelte Domaines, hübsch herausgeputzte Hof- und Weingüter. Hat man das Tal erreicht, so ist die Strecke abfallend und angenehm zu befahren, sie führt durch weite Getreide- und Sonnenblumenfelder in das üppig mit Blumen geschmückte Dorf. Selten sieht man eine derartige Fülle liebevoll gepflegter Töpfe und Blumenkästen. Dies und die ebenso reizende Pilgerherberge neben dem Kirchlein werden mit Sicherheit in die Sammlung schönster Erinnerungen gehören.
Nach beschaulicher Rast setzen Sie Ihren Radweg entlang des Lendou fort, einem von zahlreichen kleinen Flüssen, die aus der Causse kommend ihren Weg hinunter zur Garonne und letztlich zum Atlantik suchen. Somit ist die Strecke auf der kaum befahrenen D7 durch die Niederungen bis nach Lauzerte eine angenehme Sache.
Der in exponierter Lage liegende Ort ist bereits über die letzten Kilometer erkennbar. Wir verladen am Stadtrand die Räder und suchen den günstigsten Weg über Treppen und Steige hinauf zum kleinen Marktplatz mit seinen Arkaden, den malerischen Fachwerkfassaden und der gotischen Kirche. Abseits wichtiger Fernstraßen gelegen hinterlässt das Städtchen einen recht verträumten und verlassenen Eindruck. Große Fensterläden bleiben in den dunklen Gassen vielfach geschlossen, Schilder bieten die Häuser zum Verkauf an. Man fragt sich, wie finster es erst im Innern sein muss und wer sich dafür noch begeistern lässt.
Für einen Kaffee hält der Platz verschiedene Lokale bereit, Gelegenheit zur Stärkung für die letzte Wanderstrecke des Tages.
Mit nachlassender Höhe ändern sich die Temperaturen und damit auch die Formen der Vegetation. Wohl muss man sich nach Verlassen des Tales noch mit einem Anstieg plagen, doch versöhnen die immer zahlreicher werden Obstplantagen an den Wegen für die Mühen. Als Motive sind sie neu und fotogen, nicht selten stößt man hier auf einen heißhungrigen Wanderer zwischen den süßen Früchten.
Später werden Erinnerungen an Galicien wach beim Anblick eines auf Stelzen gebauten Turmes. Sind es in Spanien die Horreos, kleine Speicher, die durch jene Bauweise die Mäuse von der Maisernte fernhalten, so ist es hier ein Pigeonnier, ein Taubenhaus, dem man diesen Unterbau verpasst hat. Gewöhnlich hausen die Tiere in angebauten Türmen, die fester Bestandteil jedes Landhauses sind, ihnen ein Zuhause geben und für das leibliche Wohl ihrer Besitzer sorgen. Auch den kargen Böden kommt der natürliche Dünger sehr gelegen. Diese hoch gesetzte Bauweise sieht man hier jedoch selten, sie stammt noch aus dem 13. Jahrhundert.
Nach einer gewissen Zeit des Unterwegsseins zieht man für sich wahrscheinlich gern ein kleines Resümee, schließlich geht die kurze Pilgerreise ihrem Ende zu. Der weitere Weg bietet dazu eine gute Gelegenheit.
Vielleicht ist manchem auch nach wenigen Tagen schon klar geworden, wie man seine Sinne geschärft hat, sensibel für Dinge geworden ist, die man zuhause kaum mehr bemerkt. Man nimmt Veränderungen des Himmels wahr, die wichtig sind, wenn man sich im Freien aufhält, sucht nach Eigenarten von Landschaften und Natur. Man erfasst das morgendliche Lichtspiel auf den feuchten Blättern eines Hohlweges, unterscheidet Düfte von Feldern und Wäldern, freut sich über Sonne, Wind und Regen auf der Haut. Und wie Stille hörbar ist, wissen Sie inzwischen auch wieder. Sie werden dieser Aufzählung noch manche Ergänzung hinzufügen. Pilgern bedeutet somit auch eine Abfrage des persönlichen Bewusstseinsstandes und im weitesten Sinne ein erfreulich sinnvoll-sinnliches Abenteuer.
Mit seinen Gedanken beschäftigt, passiert man überraschend die kleine Kirche St. Sernin, restauriert in den letzten Jahren, schlicht, beschaulich, in der Einsamkeit des Waldes wie vergessen. Ein bescheidener Friedhof am Rande zeugt mit seinen uralten Gräbern und verwitterten Gedenksteinen von einstiger Besiedlung.
Ein Stück Landstraße, noch ein letzter Höhenrücken, und das Tagesziel ist überraschend erreicht: Was sich zunächst als unscheinbarer Gasthof darstellt, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein durchaus sehenswertes kleines Landhotel, ein wenig in die Jahre gekommen, aber urgemütlich und mit großem Charme. Die Auberge Nouvelle wird von netten Leuten geführt, und es gibt wohl keine Wegbeschreibung, die nicht von der besonderen Gastlichkeit der Herberge vor Durfort berichtet.

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