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Via Podiensis
Französischer Jakobsweg von Le Puy nach St. Jean
 
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  19. Tag: Von Arzacq-Arraziguet nach Navarrenx
24 km/W + 34 km/R = 58 km
Arzacq ist ein Ort mit niedrigen Häusern und einem beschaulichen Platz, auf dem regelmäßig Markt abgehalten wird. Dann erwacht der Flecken zu munterem Treiben, und neben dem vielfachen Angebot leckerster Waren ist eine Studie ihrer Verkäufer alleine schon ein Besuch wert. Wie durch einen Hinterausgang verlassen wir Arzacq am Morgen zu Fuß, ein schmaler Pfad führt uns hinunter zu einem kleinen See, der künstlich angelegt und in der Karte bislang nicht vermerkt wurde. In einem weiten Bogen geht der GR 65 daran entlang, Picknick- und Angelplätze säumen das Ufer, schließlich verschwindet der Weg in einem kühlen Wald. Später schaut man staunend hinauf in den hohlen Stamm einer uralten Eiche, wo man die Nische mit allerlei Devotionalien zur Pilgerschaft gefüllt hat. Hinab geht es zum Flüsschen Luy de France, das seinen Namen aus der Zeit trägt, als Frankreich einstmals hier zu Ende war. An einer verlassenen Mühle vorbei quert der Weg das enge Tal bis Louvigny, wo es den nächsten Buckel hinauf geht. Prächtige Aussichten, Wechsel von schmalem Asphalt und Feldwegen sowie teilweise steile Auf- und Abgänge machen die restliche Laufstrecke zu einer kurzweiligen Angelegenheit. In Fichous-Riumayou nehmen Sie dann die Räder, mit denen Sie auf der neu belegten Straße rasch das breite Tal des Luy de Béarn erreichen. Durch Uzan und Pomps führt der Weg über flaches, fruchtbares Land. Inzwischen befinden wir uns in der landschaftlich besonders reizvollen Provinz Béarn, und von Castillon aus, dem nächsten Hügel, hat man beste Einblicke in dieses liebliche Pyrenäenvorland. Nach einem weiteren Anstieg haben wir den Kamm erreicht und damit auch die kleine sehenswerte Chapelle de Coubin aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist der einzig erhaltene Rest des Hospizes eines Johanniterordens, der es sich hier zur Aufgabe gemacht hatte, die Pilger unter ihren Schutz zu stellen und sich um ihr Wohlergehen zu sorgen.
Auf gleicher Höhe befindet sich das benachbarte Arthez-de-Béarn, eher ein lang gestrecktes Straßendorf, dessen Einwohner sich von beiden Seiten des Kammes an den weiten Ausblicken ins Umland erfreuen. Hinter der Kirche, von der man das Panorama der Pyrenäen vor sich hat, befindet sich eine Schautafel. Hier wird die lange Gebirgskette erläutert, von den schroffen, rötlichen, hohen Zacken im Osten bis zu den sanfteren, runden Bergen im Westen. Das Erdgaslager und die Raffinerien unten am Gave de Pau empfindet man nach den beschaulichen Tagen in der Natur als recht befremdend. Obwohl es eine durchgehend asphaltierte Alternative als Pilgerweg gibt, werden wir die Strecke durch den Ort und dem Kamm folgend wählen. Denn der direkte Weg hinunter mit dem Rad führt mit vielen Abzweigungen rasch zu Verirrungen und ist für uns daher nur zweite Wahl. Am Ortsende geht der Asphalt in einen befahrbaren Kiesschotter über, hier lädt in einem Wäldchen ein schattiger Picknickplatz zur Rast ein. Rechtzeitig zur Abfahrt haben wir dann wieder festen Belag unter den Reifen, stoßen unten im Tal auf die Nationalstraße 117, der wir nur kurz folgen, und überqueren nacheinander die drei Hauptverkehrsadern Bahn, Fluss und Autobahn. Wenn sich dann noch ein Flugzeug dem nahen Flugplatz von Pau nähert, hat uns die Gegenwart vollends eingeholt. Mit gemischten Gefühlen lassen wir die Verkehrsschleuse hinter uns und befinden uns alsbald in Maslacq, einem kleinen Ort mit ansprechender und frequentierter Gastronomie.
Noch einmal zu Fuß geht es auf blendend weißem Kiesschotter immer dichter an die Flussufer des Gave du Pau, der Weg wird schattiger und grüner, Wasservögel zwitschern in den Bäumen. Nach einem kurzen Anstieg schaut man auf die Industrieanlagen und den gegenüber liegenden Höhenkamm von Arthez, von dem aus wir vor kurzer Zeit herüber sahen. Nächster Anlaufpunkt ist die Abtei von Sauvelade, die bereits in der Romanik von den Benediktinern gegründet wurde, sich später den Zisterziensern anschloss, von den Hugenotten zerstört und schließlich wieder aufgebaut wurde. Wenn man aus der Einsamkeit kommend plötzlich vor den Klostermauern steht, so ist man doch recht erstaunt über dieses Gotteshaus, das in der Landschaft wie vergessen wirkt. Innen wie außen ist es ein überschaubarer und harmonischer Bau, eine angeschlossene Pilgerherberge bietet uns Gelegenheit zur Rast.
Gestärkt können nun die letzten Wanderwege dieses langen Tages angegangen werden. Enger gefaltet erscheint die Landschaft jetzt, an den Hängen grast das Vieh, und Trecker sind kaum noch zu hören. Fette Wiesen wechseln sich ab mit schattigen Eichenwäldchen, hier und da überrascht die Landidylle vermögend wirkender Gehöfte mit traumhaften Ausblicken. Gelegentlich wird an leer stehenden Landhäusern gewerkelt, um diese wieder geschmackvoll herzurichten. Faszinierende Gedanken schleichen sich in manche Beobachtungen, dann fällt es schwer, sich der Wunschvorstellung zu entziehen, hier sesshaft zu werden und einem ruhigeren Leben nachzugehen. Mühsam muss noch ein Anstieg genommen werden, dann hat man die verstreut liegende Siedlung Bugnain erreicht. An der auffallend bunt gestalteten Schule endet die Laufstrecke, ab hier sind es über die abwärts führende Waldstraße recht erholsame Kilometer auf dem Rad. Hübsch schmücken sich die wohlhabenden Häuser im Tal um Méritein, blau, türkis oder rot gestrichene Fensterläden geben den ansprechenden Heimen individuellen Charakter. Üppige Blumenpracht ersetzt hier die Einzäunung der weitläufigen Grundstücke. Rasch hat man Navarrenx erreicht, das ruhige Städtchen am Gave d’Oloron, dem zweiten bedeutenden Gewässer des Béarn.

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Tag 20
Von Navarrenx nach Larceveau
Tag 21
Von Larceveau nach St. Jean-Pied-de-Port




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