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Via Podiensis
Französischer Jakobsweg von Le Puy nach St. Jean
 
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  Via Podiensis: detaillierte Beschreibung
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  18. Tag: Von Lanne-Soubiran nach Arzacq-Arraziguet
11 km/W + 42 km/R = 53 km
Lanne-Soubiran besteht aus einem Zusammenschluss verstreut liegender Gehöfte und schmucker Einfamilienhäuser, vergeblich sucht man nach einem Ortskern. So sind wir am Morgen auch gleich wieder auf der Strecke, folgen den vertrauten weiß-roten Zeichen für eine knappe Stunde zu Fuß. Felder und Wälder müssen an ihren Abgrenzungen über Wirtschaftswege umgangen werden, geradlinige Wege bleiben den Fahrern auf der Straße vorbehalten. So ist es wichtig, die rasch wechselnden Wegzeichen im Auge zu behalten. Wieder auf den Rädern folgen wir einem ausgebauten Feldweg, der in direkter Linie nach Barcelonne-du-Gers hinunter führt. Durch das breite Tal des L’Adour, der seine Wassermassen nur noch 100 Kilometer bis Bayonne am Atlantik transportieren muss, sind wir schnell in dem Städtchen mit dem wohlklingenden Namen Aire-sur-L’Adour. Ein freundlicher Ort mit bewegter Vergangenheit. Vermutlich keltischen Ursprungs, bauten die Römer ihn im Jahre 50 v. Chr. weiter aus und nannten ihn Adura, bevor er später von den Westgoten besiedelt wurde. Der Pilgerweg führt uns zu der etwas außerhalb liegenden Kirche Sainte-Quitterie aus dem 11. Jahrhundert, die auf einer frühen römischen Tempelanlage errichtet wurde. Mit gotischen Elementen angereichert und in der Zeit der Glaubenskriege teilweise zerstört ist sie für uns heute ein geschichts- und legendenträchtiger Ort. So weigerte sich im Jahre 476 die spanische Prinzessin Quitteria, den ihr zugedachten Gotenprinzen zu heiraten, ihren katholischen Glauben aufzugeben und zur arianischen Glaubenslehre überzutreten. Sie wurde hingerichtet, und nach ihrer Enthauptung soll sie wohl noch bis zu ihrer Grabstelle gegangen sein, wo dann eine Quelle entsprang, die seitdem als Taufbrunnen diente. Hier auf dem Hügel des Mas wurde zur Erinnerung die Église Sainte-Quitterie errichtet, in der tief liegenden Krypta lässt sich noch heute der frühchristliche Marmorsarg mit den Reliquien der Märtyrerin bewundern. Traurig stimmt die Tatsache, dass man die Geschichte dieses Ortes immer nur mit tragischen Ereignissen verbindet und es keinen Aufschluss darüber gibt, wie die glücklicheren Zeiten aussahen.
Wesentliche Strecken des Pilgerweges können wir nun mit den Rädern zurücklegen, der GR 65 folgt einer treppenförmigen Ebene, die landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Soja und Mais werden auf feinem, fruchtbarem Boden großflächig angebaut, mit gigantischen fahrbaren Anlagen bewässert und schließlich für die Gänsemast verwendet. Wenn sich in der Ferne auf einem Hügel eine Kirche abzeichnet, so kann man davon ausgehen, dass der Weg dorthin führen wird. Diesmal ist es ein Wasserturm, der die Richtung vorgibt. So hat das angenehme Radeln kurz hinter Miramont-Sensacq vorerst ein Ende. Der Ortsname verrät die Gegenleistung: Von seinen Höhen aus hat man bei klarer Sicht erstmalig Gelegenheit zu einem Blick auf die näher rückenden Pyrenäen! Auffallend ist hier die Bauweise aus Flusssteinen, es ist Schuttmaterial der Berge, transportiert und rund geschliffen durch die nordwärts fließenden Gewässer der Pyrenäen.
Beim Pilgerstein mit der Aufschrift ‚Santiago 953 km’ kurz vor Galette werden die Wanderschuhe geschnürt. An stattlichen Gutshöfen entlang windet sich der Wanderweg mit herrlichen Ausblicken in die reizvollen Landschaften. Erneut geht es in die tiefer gelegenen Regionen und zur romanischen Kirche von Sensacq. Einsam liegt das kleine Gotteshaus mit seinem Glockenturm und Friedhof in den stillen Feldern. Es hat als seltenes Merkmal ein großes Becken, in das der Täufling noch ganz eingetaucht wurde. An zahlreichen Einzelhöfen sieht man allerlei Federvieh, allen voran natürlich die Gänse, die in Massenzuchten darauf warten, gestopft und später eingemacht zu werden. Im Glas konserviert sind Gänse- und Entenfleisch neben der Leberpastete eine Spezialität der Gascogne, Hinweise auf ‚Confit d’Oie’ und ‚Foie gras’ liest man allerorten. Das fruchtbare Land, klimatisch durch den nahen Atlantik sowie südliche Temperaturen begünstigt, bietet in seinen Tälern feinstes Gemüse wie Artischocken, Auberginen und Spargel. Steinpilze und verschiedene Wildarten aus den Wäldern bereichern die Speisekarten, an den sanften Hängen gedeihen leichte Weißweine und nicht überzüchtete Rote. Schon im ersten Pilgerführer aus dem 11. Jahrhundert beschrieb der 5. Band die Gascogner als ein sinnesfreudiges Volk. Einzig die naturhaft belassenen Pfade bereiten gelegentlich Verdruss. Speziell die tief liegenden Hohlwege geraten bei Nässe unter Wasser oder zur Rutschpartie, selbst der hohe Stiefel versinkt bis zum Rand im Morast oder bleibt gar stecken. Stöcke sind teilweise eine Hilfe, besser ist es, wenn man voraus blickt und die meist kurzen Stellen über den Feldsaum umgeht. Besonders unangenehm wird es, wenn einen später beim Betreten eines Geschäftes die strafenden Blicke treffen. So täte es gut, wenn hin und wieder eine Ladung Kies auf den Wegen für Abhilfe sorgte. Beim Grübeln über die teilweise mangelhafte Infrastruktur des Weges fallen einem weiterhin die französischen Öffnungszeiten der Lebensmittelgeschäfte, so es denn welche gibt, unangenehm auf. Wissen muss man auch, dass die notwendigen Wasserstellen meist an den Eingängen der Friedhöfe zu finden sind. Kenner der spanischen Verhältnisse ziehen diese Dinge gerne in Vergleich und kommen rasch zu dem Schluss, dass es sich jenseits der Grenze diesbezüglich leichter pilgern lässt.
Mit diesen oder anderen Gedanken beschäftigt sind die 7 km Wanderweg rasch zurückgelegt. Man erreicht eine erneute Anhöhe und den hübschen Ort Pimbo. Von dort sind es mit den Rädern nur noch 5 km bis zum Tagesziel in Arzacq-Arraziguet. Nicht versäumen sollte man auf halber Strecke einen Blick auf den filmtauglichen Herrensitz von Lassalle (Fotografieren verboten!).

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Tag 19
Von Arzacq-Arraziguet nach Navarrenx
Tag 20
Von Navarrenx nach Larceveau
Tag 21
Von Larceveau nach St. Jean-Pied-de-Port




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