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Via Podiensis
Französischer Jakobsweg von Le Puy nach St. Jean
 
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  Via Podiensis: detaillierte Beschreibung
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  15. Tag: Von Moissac nach Lectoure
14 km/W + 40 km/R = 54 km
Aufmerksamen Rechnern ist es schon lange klar: Die anbrechende letzte Woche hat es in sich. 319 km haben wir noch vor uns, mit einem Tagesschnitt von 45 km nähern wir uns St. Jean.
Vielleicht freut man sich auch darüber, nicht hier in Moissac bereits am Ende der Tour angelangt zu sein, wie viele Reisende, denen der Rest des Weges zu den Pyrenäen nicht spektakulär genug zu sein versprach. So findet man in manchen Wegbeschreibungen teilweise lieblose Zusammenfassungen dieser letzten Strecke, womit man ihr jedoch unrecht tut. Zugegeben: Glanzvolle Höhepunkte aus kultureller Sicht findet man nur noch wenige, doch wie häufig schon empfand man die kleine, versteckte Kostbarkeit letztlich als etwas Großartiges, Überraschendes. Auch lassen sich, wie beispielsweise auf dem spanischen Weg später, endlose Glanzpunkte der Romanik auf Dauer kaum mehr angemessen würdigen. So wird man sich in diesen Tagen eher an anderen Dingen erfreuen, für die man inzwischen wieder den Blick frei hat. Man wird die behutsamen Veränderungen der Landschaften registrieren, die immer dünner werdende Besiedlung als etwas Kostbares schätzen. Vielleicht wird mancher auch den Blick auf sich selbst richten und sich als Teil des langen Pilgerstromes durch die Jahrhunderte empfinden und verstehen. Gelegenheiten zu allerlei tiefsinnigen Überlegungen und Empfindungen gibt es über die Tage schließlich genug.
Aus Erfahrung gilt die dritte Woche allgemein als Erholungs- und Besinnungsphase. Das tägliche Weiterziehen richtet die Blicke nach vorne und lässt das Gestern meist rasch vergessen. Man legt den Tag über Nacht ab, unbelastet, sorgenfrei. Als Pilger ist man inzwischen gewöhnt und vertraut mit dem Vagabundenleben und hat zunehmend die Tatsache lieb gewonnen, wie wenig materieller Mittel es bedarf, sich auf diesen Wegen glücklich und zufrieden zu fühlen.
Mit den Rädern verlassen wir Moissac auf Treidelpfaden entlang des Flusses Tarn, der nach etwa 4 km in die Garonne mündet. Beide Flüsse führen große Wassermassen nach Westen, ab Bordeaux werden sie Gironde genannt. Ruhe liegt inzwischen über den Kanälen, Brücken und Schleusen, die einstmals von den lebhaften Verkehrswegen zu Wasser profitierten. Nur die gigantischen Kühltürme des unterhalb liegenden Kraftwerks weisen noch auf die Bedeutung des Wassers hin. Weit in den Himmel ragende Dampfwolken schaffen eine nicht zu übersehende Präsenz, die uns über den Tag von verschiedenen Höhen aus begleitet.
Seit jeher war es spannend, den günstigsten Übergang zu finden. Mit den Rädern fällt es uns inzwischen leicht, eine der zahlreichen Brücken zu nutzen, und auf direktem Weg in das idyllische Auvillar zu gelangen. Oberhalb des Flusses auf einer Anhöhe gelegen hat sich der Ort rund um seinen Marktplatz alten Baubestand erhalten.
Inzwischen haben wir die Gascogne erreicht, jenes Gebiet, das sich bei näherem Betrachten in seinen Landschaften und Siedlungen vom Vorhergehenden unterscheidet. Leider sind viele romanische Zeugnisse im Laufe kriegerischer Zeiten vernichtet worden, und zahlreiche Wehrdörfer mit ihren charakteristischen Festungen weisen darauf hin, dass dieses Gebiet über lange Jahrhunderte stets umkämpft war. Zwischen den Meeren gelegen verfügt diese Region über mediterrane Vegetationsformen, Völkergemisch prägt Sprache und Aussehen ihrer Bewohner.
Nach den angenehmen Uferzonen müssen wir mit den Rädern wieder hinein in das Hügelland. Auf ausgesuchten Nebenstrecken verläuft unser Pilgerweg über St. Antoine, einem verschlafenen Dorf, das außer einem mozarabischen Hufeisenportal nur durch seine poetisch-unordentliche Pilgerherberge und die üppige Küche seiner Betreiber legendären Ruf erlangte. Weiter dann hoch nach Flamarens, deren verfallene Festung die Blicke auf sich zieht. Die eindrucksvolle Kirche ist in einem miserablen Zustand, eine Holztafel kündigt die vorgesehene Restaurierung an. Die Bewohner schauen freundlich aus ihren blumengeschmückten Fachwerkhäusern in die Ferne, von den Ängsten ihrer Vorfahren befreit. Auf der nächsten Anhöhe empfängt uns die Ortschaft Miradoux, hier fällt der suchende Blick auf kleine Geschäfte, die für die lückenhafte Versorgung unterwegs von besonderer Bedeutung sind.
Kurz danach werden die Räder verladen, eine Wanderstrecke mit 14 km bis Lectoure liegt noch vor Ihnen. Das Hügelland mit weiten Blicken in das Umland wird den Wanderer hier und da zum Verweilen und Schauen veranlassen. Nach kurzem Stück Asphalt verschwindet der GR 65 hinter Castet-Arrouy in die stillen Felder und Wälder, schattige Pappeln säumen die Pfade an Bächen und grünen Fischteichen, bis man schließlich schon von Weitem die Silhouette von Lectoure vor sich sieht. Lang ziehen sich die letzten Kilometer dahin, den Fixpunkt vor Augen wird die Langsamkeit des Wanderns deutlich. Die Bedeutung des kleinen Städtchens hängt – wie der mühsame Wanderer nicht anders vermutet – wieder mit seiner strategischen Hügellage zusammen. Oben angekommen empfängt ihn jedoch ein ansehnlicher Ort, der sich mit seinen engen Gassen um die kalkweiße Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert drängt und von beiden Seiten wunderbare Aussichten verspricht. Einstmals Bischofsstadt beherbergte sie schon früh die Jakobspilger in mehreren Hospizen.

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Tag 16
Von Lectoure nach Larressingle
Tag 17
Von Larressingle nach Lanne-Soubiran
Tag 18
Von Lanne-Soubiran nach Arzacq-Arraziguet
Tag 19
Von Arzacq-Arraziguet nach Navarrenx
Tag 20
Von Navarrenx nach Larceveau
Tag 21
Von Larceveau nach St. Jean-Pied-de-Port




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