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Via Podiensis
Französischer Jakobsweg von Le Puy nach St. Jean
 
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  Via Podiensis: detaillierte Beschreibung
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  13. Tag: Von Cahors nach Durfort
19 km/W + 26 km/R = 45 km
Die zweifellos schönsten Blicke auf Cahors hat man am Morgen dieses Tages beim Verlassen und dem Anstieg in die hohen Uferzonen des Lot. Kurz aber steil führt der Pfad in die Höhe, Wanderer mit schweren Rucksäcken achten schon mal darauf, nicht zu weit in die Rückenlage zu geraten. Belohnt werden diese Mühen mit einem Panorama über die Stadt, welches sich am besten vom Croix de Magne aus bietet. Ein kleiner Umweg dorthin sollte das Vergnügen wert sein. Die Kuppeln der Kathedrale glänzen im Morgenlicht und deutlich erkennt man das malerische Altstadtviertel. Auf dem ruhigen Wasser des Flusses spiegeln sich die Bögen der Brücke Valentré, baulich sehenswert und ehemals für die Jakobspilger von größter Bedeutung. Heute begrenzt sie nun den Stadtrand und verfällt in eine verkehrstechnische Belanglosigkeit. Nur die Wanderer und Fotografen sind sich noch ihres Wertes bewusst.
Die Geräusche des Verkehrs und der Betriebsamkeit schallen hoch hinauf, so ist man schließlich froh, sich abzuwenden und den Teil des Weges anzusteuern, von dem es heißt, er führe – abgesehen vom Aubrac - durch eine der einsamsten Gegenden Frankreichs. Dennoch müssen zunächst noch die stadtnahen Zonen passiert werden, zersiedeltes Gebiet mit Fernstraßen.
Auffällig sind die vielen neuen Gesichter auf dem Pilgerweg, denn ab Cahors beginnt für die Etappenwanderer oft ein neuer Abschnitt, ähnlich wie damals schon in Conques. Man versucht, von weitem den spezifischen Gang oder die Ausrüstung bekannter Wegbegleiter zu erkennen. Häufig sind es dann Neueinsteiger, sie erzählen gern über ihre Erlebnisse des Vorjahres auf ihrer ersten Strecke von Le Puy und rechnen aus, in welchem Jahr sie endlich Santiago erreichen werden. Das gewohnte Fragespiel des Woher-wohin hilft einem über manchen Kilometer des Asphalts.
Über ein Nebensträßchen und schließlich auf schattigem, von wilden Rosen gesäumtem Waldweg erreicht man den Vorort La Roziere. Die 100 Höhenmeter oberhalb von Cahors und die ländliche Ruhe haben manch wohlhabenden Bürger veranlasst, sich hier niederzulassen. Prachtvillen hinter wuchtigen Steinmauern werden meist von aufmerksamen Wachhunden angekündigt. Der Pilgerweg umgeht diesen Ort und führt auf kurzer Strecke hinab zur Landstraße in Richtung Labastide-Marnhac.
Den weiterführenden Kalkschotterweg säumt lockerer Baumbestand hübscher Flaumeichen, sie liefern den nötigen Halbschatten für die ersten anstrengenden Minuten dieses durchweg ansteigenden Weges. Die kargen Böden der Causse-Hochebene lassen diese Eichen nur langsam wachsen, so dass man sehr lichte und nur niedrige Wälder antrifft. Eine sichere Trittspur hat sich im Laufe der Zeit gebildet, sie erleichtert das Laufen in unebenem Geröll. Mit ausbleibender Beschattung werden die Fernsichten nach Osten und Westen immer weiter. Fröhliche Kinderstimmen kündigen diesmal den nahen Ort Labastide an, der Pilgerweg führt an einer Schule vorbei. Am Ortsende bietet sich an der Mairie eine schöne Gelegenheit zum Rasten.
Erfrischt geht es auf die Fahrradstrecke, sie führt zunächst über die Hochfläche nach Lascabanes. Zwischen leichten Hügeln verbergen sich vereinzelte Domaines, hübsch herausgeputzte Hof- und Weingüter. Hat man das Tal erreicht, so ist die Strecke abfallend und angenehm zu befahren, sie führt durch weite Getreide- und Sonnenblumenfelder in das üppig mit Blumen geschmückte Dorf. Selten sieht man eine derartige Fülle liebevoll gepflegter Blumenkästen. Dies und die ebenso reizende Pilgerherberge neben dem Kirchlein werden mit Sicherheit in die Sammlung schönster Erinnerungen gehören.
Nach beschaulicher Rast und einem neuen Stempel im Pass setzen Sie Ihren Radweg entlang des Lendou fort, einem von zahlreichen kleinen Flüssen, die aus der Causse kommend ihren Weg hinunter zur Garonne und letztlich zum Atlantik suchen. Somit ist die Strecke auf der kaum befahrenen D7 durch die Niederungen bis nach Lauzerte eine angenehme Sache. Der in exponierter Lage liegende Ort ist bereits über die letzten Kilometer erkennbar.
Wir verladen am Stadtrand die Räder und suchen den günstigsten Weg über Treppen und Steige hinauf zum kleinen Marktplatz mit seinen Arkaden, den malerischen Fachwerkfassaden und der gotischen Kirche. Abseits wichtiger Fernstraßen gelegen hinterlässt das Städtchen einen recht verträumten und verlassenen Eindruck. Große Fensterläden bleiben in den dunklen Gassen teilweise geschlossen, Schilder bieten die Häuser zum Verkauf an. Man fragt sich, wie finster es erst im Innern sein muss und wer sich dafür noch begeistern lässt.
Für einen Kaffee hält der Platz verschiedene Lokale bereit, Gelegenheit zur Stärkung für die letzte Wanderstrecke des Tages. Mit nachlassender Höhe ändern sich die Temperaturen und damit auch die Formen der Vegetation. Wohl muss man sich nach Verlassen des Tales noch mit einem Anstieg plagen, doch versöhnen die immer zahlreicher werden Obstplantagen an den Wegen für die Mühen. Als Motive sind sie neu und fotogen, nicht selten stößt man hier auf einen heißhungrigen Wanderer zwischen den süßen Früchten. Der schmackhafteste Monat ist wohl der Mai mit seiner Kirschreife.
Später werden Erinnerungen an Galicien wach beim Anblick eines auf Stelzen gebauten Turmes. Sind es in Spanien die Horreos, kleine Speicher, die durch jene Bauweise die Mäuse von der Maisernte fernhalten, so ist es hier ein Pigeonnier, ein Taubenhaus, dem man diesen Unterbau verpasst hat. Gewöhnlich hausen die Tiere in angebauten Türmen, die fester Bestandteil jedes Landhauses sind, ihnen ein Zuhause geben und das leibliche Wohl ihrer Besitzer sichern. Diese hoch gesetzte Bauweise sieht man hier jedoch selten, sie stammt noch aus dem 13. Jahrhundert.
Nach einer gewissen Zeit des Unterwegsseins zieht man für sich wahrscheinlich gern ein Resümee, schließlich liegt schon mehr als die Hälfte des Weges hinter uns. Der weitere Weg bietet dazu Gelegenheit in seiner ruhigen Fortsetzung.
Vielleicht ist manchem schon klar geworden, wie man in den Tagen seine Sinne geschärft hat, sensibel für Dinge geworden ist, die man zuhause kaum mehr bemerkt. Man nimmt Veränderungen des Himmels wahr, die wichtig sind, wenn man sich im Freien aufhält, sucht nach Eigenarten von Landschaften und Natur. Man erfasst das morgendliche Lichtspiel auf den feuchten Blättern eines Hohlweges, unterscheidet Düfte von Feldern und Wäldern, freut sich über Sonne, Wind und Regen auf der Haut. Und wie Stille hörbar ist, wissen Sie inzwischen auch wieder. Sie werden dieser Aufzählung noch manche Ergänzung hinzufügen. Pilgern bedeutet somit auch eine Abfrage des persönlichen Bewusstseinsbestandes und im weitesten Sinne ein erfreulich sinnvoll-sinnliches Abenteuer.
Mit seinen Gedanken beschäftigt, passiert man überraschend die kleine Kirche St. Sernin, restauriert in den letzten Jahren, schlicht, beschaulich, in der Einsamkeit des Waldes wie vergessen. Ein bescheidener Friedhof am Rande zeugt mit seinen uralten Gräbern und verwitterten Gedenksteinen von einstiger Besiedlung.
Ein Stück Landstraße, noch ein letzter Höhenrücken, und das Tagesziel ist überraschend erreicht: Was sich zunächst als unscheinbarer Gasthof darstellt, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein durchaus sehenswertes kleines Landhotel, ein wenig in die Jahre gekommen, aber urgemütlich und mit großem Charme. Die Auberge Nouvelle wird von netten Leuten geführt, und es gibt wohl keine Wegbeschreibung, die nicht von der besonderen Gastlichkeit der Herberge vor Durfort berichtet.

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Tag 14
Von Durfort nach Moissac
Tag 15
Von Moissac nach Lectoure
Tag 16
Von Lectoure nach Larressingle
Tag 17
Von Larressingle nach Lanne-Soubiran
Tag 18
Von Lanne-Soubiran nach Arzacq-Arraziguet
Tag 19
Von Arzacq-Arraziguet nach Navarrenx
Tag 20
Von Navarrenx nach Larceveau
Tag 21
Von Larceveau nach St. Jean-Pied-de-Port




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