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Via de la Plata
Spanischer Jakobsweg von Salamanca nach Santiago u. Finisterre
 
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  Via de la Plata II: Zeitablauf / detaillierte Beschreibung
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  16. Tag: Dumbria – Muxia - Lires (20 m)
17 km/W + 32 km/R = 49 km

Nur 18 Kilometer trennen uns noch vom Erreichen des Atlantiks! Grund genug, um mit den Rädern zu starten, die beschaulichen Nebenstrecken zu nutzen und sich darauf zu freuen, hinter einer der vielen Kuppen endlich das Meer zu sehen.

Dicht aufeinander folgen kleine Dörfer, später zieht oberhalb der Straße die Kirche von Moraime die Blicke auf sich. Dann erscheint rechts die erste Bucht und eine letzte Anhöhe, die noch genommen werden muss. Schließlich ist der Blick frei auf Muxia und die Weiten des Atlantiks. An der Bucht und dem Fischerhafen entlang führt der Pilgerweg schließlich hinaus zur Landzunge. Rund geschliffen hat die ewige Brandung das zerklüftete Gestein, und selbst bei ruhigem Wetter ahnt man hier etwas von den tödlichen Gefahren, die der Küste ihren Namen gaben.

Muxia
, außerhalb Spaniens allenfalls in Pilgerkreisen bekannt, ist neben seiner Bedeutung als kleiner Fischerhafen auch eine Kultstätte, um die sich zahlreiche Legenden gebildet haben, die noch bis in die vorchristliche Zeit zurück reichen. Einziger greifbarer Beleg ist heute ein flacher, segelförmiger Stein von neun Metern Länge, der nahe am Wasser liegt und an die seltsamsten Geschichten erinnert. Von weit her reist man regelmäßig am zweiten Septembersonntag hierher und feiert in einer großartigen Romería (Wallfahrt) das Andenken daran, dass einstmals die Jungfrau Maria mit einem Schiff hier anlandete, um dem Apostel Jakob behilflich zu sein, den christlichen Glauben zu verbreiten. Geblieben und inzwischen versteinert ist einzig das Segel. Es lag lange Zeit auf unebenem Grund und führte zu unterschiedlichsten Kulthandlungen. So hatte man einen Wunsch frei, wenn es einem gelang, die schwere Steinplatte von oben zum Wackeln zu bringen. Man stellte Linderung von Rückenleiden beim Durchkriechen in Aussicht, versprach unfruchtbaren Paaren Nachkommenschaft beim Akt auf dem Steinbett in Vollmondnächten. Ein Orkan im Jahre 1978 hat die Platte verschoben, seitdem wackelt sie nicht mehr.
Das Christentum hat diese Riten mit ihren wundersamen Kräften untersagt. So wurde aus einem Felsen, der möglicherweise einem Dolmen zugehörte, später dann die passendere Version des steinernen Segels. Folglich erbaute man in unmittelbarer Nähe und zu Marias Ehren das romanische Heiligtum Nosa Señora da Barca.

Noch heute ist die Kirche als Heiligtum der Seefahrer ein Ort der stillen Trauer, wenn die Costa da Morte ihre regelmäßigen Opfer fordert. Eines der letzten großen Unglücke war der Untergang des Öltankers Prestige im November 2002 vor der Todesküste. Ihre Auswirkungen sind hier nicht mehr unmittelbar sichtbar, werden der Tier- und Pflanzenwelt des Meeres aber noch lange Zeit zu schaffen machen.

Solcherlei Gedanken begleiten einen an den Strecken des Pilgerweges, der sich später an den wilden Küstenstreifen entlang zieht. Zunächst bringen uns die Räder aus Muxia heraus bis an den weiten Strand von Lourido. Zu Fuß folgen wir den asphaltierten Wegen, die die Weiler Cuño und Martineto verbinden.
Obwohl man nur einen Kilometer von der Küste entfernt ist, steigen die Höhen hier bis auf 200 Meter an. In diesen Lagen wird die Vegetation immer spärlicher, die Winde rauer und die Aussichten abwechslungsreicher. Endlos gehen die Blicke über das Meer bis hin zum westlichsten Leuchtturm Spaniens am Cabo Touriñan. Mit 9°18’ W liegt dieses Kap auf gleicher Länge mit der westlichen Kante von Fisterra und wetteifert damit um seine Bedeutung. Weiträumig streckt sie sich in den Atlantik und wird daher von den Pilgern wegen dieses Umweges selten angelaufen.

Wenn wir zu Fuß die Kuppe erreicht haben, von der es bei guter Sicht möglich ist, den gesamten Bereich bis Fisterra zu überblicken, wechseln wir auf die Räder und steuern das Kap an. Angenehm lassen sich diese 8 Kilometer aus den Höhen heraus befahren, bis man schließlich am weithin sichtbaren Leuchtfeuer steht. Die stürmischen Winde vertreiben uns vielleicht recht bald von diesem meist ungemütlichen Ort. Auf den Rädern nehmen wir einen Teil des Rückwegs, bevor wir uns letztmalig für diesen Tag zum Wandern rüsten.

Am Küstensaum entlang spazieren wir hoch über dem Meer auf einem Feldweg, begleitet von Radaranlagen zum Schutz von Küsten und Seefahrt sowie dem belebenden Gefühl, dem Meer endlich sehr nah zu sein. Ausgesprochen ländlich präsentiert sich später die Gegend um die weitläufige Playa de Nemiña, noch spielt der Tourismus hier eine untergeordnete Rolle.

Unser Zielort Lires liegt geschützt an einer kleinen Bucht, die durch die Mündung des gleichnamigen Flusses entstand. In den geschützten Gewässern fällt zunächst die grau und etwas düster wirkende Anlage einer weitläufigen Fischfabrik auf. Bei Niedrigwasser ist es hin und wieder möglich, vorher bereits die Sandbänke des Mündungsgebietes zu überqueren und auf kurzem Wege nach Lires zu gelangen. Bei unsicheren Verhältnissen bleiben wir auf dem eingeschlagenen Pfad, der uns in großem Bogen zum Weiler Frixe bringt. Hier führt auch der Pilgerweg wieder entlang. Würde man diesem folgen, so müsste man später die Furt eines oberhalb mündenden Flüsschens überqueren, die bei Hochwasser unerwünschte Komplikationen zur Folge hätte. Wenn wir über die Wasserstände im Unklaren sind, bleiben wir auf der sicheren Seite, indem wir hier vom Ort aus das Begleitfahrzeug in Anspruch nehmen, mit dem wir in wenigen Minuten über die außen herum führenden Zufahrtsstraßen unser Ziel erreichen.
Der kleine Ort Lires bietet uns eine angenehme Bleibe und mit einer weiteren Casa Rural die gewünschte Unterkunft.


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Tag 17
Von Lires nach Fisterra
Tag 18
Abreise nach Deutschland



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