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  Die geschichtlichen Hintergründe zu den Wegen
 
 
 
  Legendäre Überlieferungen
sowie nachweisbare, geschichtliche Quellen geleiten den Weg Santiago de Compostelas durch die Zeiten vieler Jahrhunderte vom Apostelgrab zum Wallfahrtsort, Bischofssitz und zur Universitätsstadt.

Legenden sind, wie man weiß, nicht einfach aus dem Nichts, sondern aus meist mündlich weitergegebenen Berichten entstanden. Die Häufigkeit ihrer Wiedergabe, Sprachunterschiede, geschichtliche Hintergründe, regionales Brauchtum und vieles andere ergeben letztlich aus mancher Legende eine fast unglaubliche Geschichte, die aber doch immer ihren wahren Kern hat.

So ist der Weg Sankt Jakobs, und damit die Geschichte der Stadt Santiago de Compostela, ein schillerndes Mosaik aus 'sicher', 'vermutlich',  'vorstellbar' und  'wahrscheinlich'. Sie ergibt am Ende jedoch ein harmonisches Bild, bei dessen Betrachtung die Nachweisbarkeit dieser oder jener Einzelheit unwesentlich ist.
Im Neuen Testament ist von zwei Personen namens Jakob die Rede: Jakob der Ältere und Jakobus, des Alphäus' Sohn, genannt Thaddäus. Unsicherheiten darüber, welcher von beiden nun in Santiago begraben liegt, ließen den berühmten Spruch vom 'Wahren Jakob' entstehen.

Alle Quellen ergeben jedoch inzwischen eine gemeinsame und eindeutige Aussage: es handelt sich um Jakobus den Älteren. Dieser wurde am See Genezareth in Galiläa als Sohn des Fischers Zebedäus und der Salome, einer Verwandten Marias, geboren. Gemeinsam mit seinem Bruder Johannes dem Evangelisten wurde er Apostel Christi und begleitete dessen Lebensweg bis zur Stunde der Gefangennahme am Ölberg. Bald nach dem Tod Christi soll er in der weit entfernten römischen Provinz Hispania (Spanien) missioniert haben. Er folgte damit dem Pfingstaufruf Jesu: 'Gehet hinaus in alle Welt und lehret alle Völker'. Er und Johannes, der sich nach Griechenland wandte, waren die eifrigsten in der Ausführung der Pfingstbotschaft, weshalb es als wahrscheinlich gilt, dass er bereits vor der Überführung seiner Reliquien nach Santiago in Spanien war. Als er nach seiner Missionstätigkeit nach Jerusalem zurückkehrte, wurde er von den Gläubigen in den Rang eines Bischofs erhoben. Diese Tatsache veranlasste Herodes Agrippa I., ihn im Jahre 44 n. Chr. enthaupten zu lassen. So wurde der Hl. Jakob zum ersten Märtyrer des Christentums.

Begraben wurde er am Berg Sinai. Und als im Jahre 614 Sarazeneneinfälle drohten, wurde sein Leichnam an das Ende der damaligen Welt, 'finis terrae', in der Nähe des heutigen Kaps Finisterre am nordspanischen Atlantik gebracht. Eine der Legenden berichtet, das Boot mit dem Sarkophag sei führerlos in der Bucht der heutigen Ortschaft Padron gestrandet.
Das 20 km südwestlich von Santiago de Compostela gelegene Städtchen wurde somit von vielen Jakobspilgern besucht. Denn erst der mystische Anblick jenen Meeres, das den Leichnam hierher brachte, bedeutete für sie das Ende ihrer Wallfahrt. Die Legende erzählt weiter, dass man den Sarg auf einen Wagen legte und diesen von Ochsen ziehen ließ, bis sie von alleine stehen blieben. An dieser Stelle wurde sein Grabmal errichtet.



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Im Jahre 825 sah ein Hirte oftmals ein Licht, vielleicht einen Stern, über einem Feld und berichtete dies der kirchlichen Obrigkeit, welche der Sache nachging, im tiefen Gebüsch das Apostelgrab mit römischen Inschriften, welche Jakobus identifizierten, entdeckte und eine Kirche über ihm errichtete. An dieser Stelle wurde die Stadt gegründet, deren Name allein schon Beweis genug für die Legende ist: Santiago von Sankt Jakob, Compostela von 'campus stellae' = Stern über dem Feld.

Südspanien war zu jener Zeit von den Arabern besetzt, die man in Spanien 'Moros' (Mauren) nannte, und welche wiederholt Angriffe auf den Norden unternahmen "im Namen Allahs und seines Propheten Mohammed". Da der Begriff 'Vaterland' damals noch nicht existierte, kämpfte man noch für andere Ziele wie zum Beispiel für einen gemeinsamen Glauben. Dem Kriegspatron und Bannerträger Mohammed der Mauren hatten die Christen nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen, bis Jakobus zum genau richtigen Zeitpunkt auf der Bildfläche erschien.

Von nun an zog man unter dem Zeichen des 'Matamoros', des Maurentöters Jakobus, und mit dem Schlachtruf "Santiago!" gegen den ungläubigen Feind ins Feld. Es ist dies die Zeit der 'Reconquista', der Rückeroberung Spaniens aus den Händen der Mauren. Die Kunde von Jakobus als Streiter für die christliche Sache drang bald ins gesamte Europa und weckte in Vielen den Wunsch, den Heiligen an seinem Grab zu verehren.

Im 10. und den folgenden Jahrhunderten zogen Millionen von Pilgern, nicht nur aus Europa, nach Santiago de Compostela. Die Jahre, in denen der 25. Juli (Jakobstag) auf einen Sonntag fällt, wurden zu Heiligen Jahren erklärt (... 1993, 1999 ...). Papst Alexander III. verleiht 1181 in seiner Bulle 'Bula Regis Eterni' allen büssenden Jakobspilgern vollen Ablass und Vergebung der Sünden. In den Heiligen Jahren sogar denen, die sonst nur vom Heiligen Stuhl das 'ego te absolvo' erhoffen konnten. Welch eine Gesellschaft unheiliger Gesellen mochte sich in diesen Heiligen Jahren in Santiago eingefunden haben...

Jedoch muss hinzugefügt werden, dass die Wallfahrt nach Santiago nach und nach auch zu einem gesellschaftlichen Ereignis wurde. Bischöfe, Könige und Fürsten und der wohlhabende Bürgerstand zogen mit mehr oder weniger großem Geleit durch Frankreich und Nordspanien, machten in großen Häusern Station, hielten prunkvolle Tafeln und verhalfen somit den Wirtsleuten, Hoteliers und vielen Handwerkern zu Wohlstand. Das 10. und 11. Jahrhundert war die hohe Zeit der Wallfahrt, weswegen über 90 Prozent der Kunst am spanischen Jakobsweg aus der Zeit der Romanik stammt.